Morbus Basedow Rückfall Auslassversuch

Morbus Basedow – Die Angst vor dem Rückfall

Du befindest dich gerade in einem Auslassversuch oder er steht dir kurz bevor? Dann hast du vermutlich eine sehr harte und kräfteraubende Zeit bereits hinter dir.

Es ist wahrscheinlich schon eine ganze Weile her, als die ersten Symptome bei dir auftraten. Herzrasen, Nervosität und Schlafstörungen schlichen sich langsam in dein Leben. Vielleicht vergingen sogar Jahre, bis die Krankheit Morbus Basedow bei dir diagnostiziert wurde.

Eine Zeit der Ungewissheit, Verzweiflung und auch Angst um deinen eigenen Körper. Eine Zeit die dir viel Energie und Lebenskraft geraubt hat.

Dann war die Diagnose endlich da!

Nach einem kurzen Moment der Erleichterung, kommt schnell die Erkenntnis, dass man es mit einer sehr langwierigen Erkrankung zu tun. Dein Arzt verschreibt dir Medikamente, um die Schilddrüsenüberfunktion zu behandeln. Du fängst an die Tabletten zu nehmen, und erhoffst dir eine schnelle Besserung.

Eine Wirkdauer von 30 Minuten wie bei Aspirin wäre schön gewesen oder?

Doch es vergehen Wochen oder sogar Monate in denen du einfach keine Besserung verspürst. Du rennst von einem Kontrolltermin zum nächsten. „Sie müssen Geduld haben, so schnell geht das nicht“. Das musste sich wohl jeder von uns anhören.

Doch irgendwann kommt dann der Moment, an dem etwas von deiner alten Energie zurückkehrt. Du kannst wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, mit deinen Kindern im Garten toben oder abends einfach mal wieder ruhig einschlafen. Die ersten dieser Momente waren für mich unglaublich kostbar.

Du fängst an, das Leben wieder zu genießen.

Doch bei deinem nächsten Kontrolltermin sagt dir dein Arzt, dass nun der Auslassversuch ansteht. Dein Körper soll versuchen seinen Hormonhaushalt wieder selbst zu regulieren.

Ist das sein Ernst? Du hast die Tabletten nun über ein Jahr eingenommen und dir geht es doch gerade erst wieder gut! Und jetzt sollst du deinen Körper schon wieder sich selbst überlassen?

Das sind sicherlich Fragen, die jedem von uns ein Mal in den Sinn gekommen sind. Aber dieser Zeitpunkt musste ja kommen. Die sogenannten Thyreostatika sind keine dauerhafte Lösung. Diese Medikamente können besonders bei dauerhafter Einnahme Schädigungen an Herz und Leber verursachen.

Eine Liste der häufigsten Thyreostatika findet du hier.

Also gibst du nun deinem Körper und deiner Schilddrüse die Chance alles wieder selbst zu regulieren.

Aber was bleibt ist die Angst vor dem Rückfall. Was passiert, wenn die Krankheit wieder ausbricht? Diese Angst ist absolut berechtigt. Laut Statistik stehen deine Chancen 50:50. 50% der Morbus Basedow-Patienten erleiden in ihrem Auslassversuch nach einer medikamentösen Behandlung ein Rezidiv, die Krankheit kehrt zurück.

Aber wie soll man nun damit umgehen?

Die Angst vor dem Rückfall wird immer ein Teil deines Lebens bleiben. Vermutlich werden die Gedanken und die Ängste davor auch nie ganz verschwinden.

Aber mit der Zeit wird dein Selbstvertrauen wachsen und die Furcht vor dem Rückfall nur noch selten an die Oberfläche dringen.

Ich möchte dir einige Tipps geben, die dir helfen können deine Ängste besser zu kontrollieren.

  • Versuche herauszufinden wovor genau du gerade Angst hast. Ist es die Angst vor den wiederkehrenden Symptomen? Oder vielleicht eher die Angst vor den Konsequenzen, wie beispielsweise einer Operation? Versuche Antworten auf deine Fragen zu finden. Angst kann auch durch Unwissenheit entstehen. Lass dich von einem Arzt aufklären.
  • Bringe deine Angst zum Ausdruck. Das kann im Kreise der Familie, bei Freunden oder auch in einem Tagebuch sein. Selbst die negativsten Gefühle werden erträglicher, wenn man darüber spricht und schreibt. Dadurch, dass du etwas in Worte fasst, wirst du dir deiner negativen Gefühle bewusst. Gefühle, die sehr häufig dein Denken und dein Handeln bestimmen. Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht ist es sinnvoll Ängste laut auszusprechen. Unser Gehirn verfügt über eine sogenannte Impulskontrolle. Bringen wir negative Gedanken oder Ängste zur Sprache, wird die Aktivität eines bestimmten Bereichs des Gehirns, der für unsere emotionalen Eindrücke verantwortlich ist, inaktiver. Dein Körper tritt quasi auf die „emotionale Bremse“. Das Ergebnis ist das Gefühl der Erleichterung.
  • Lasse positive Emotionen in dein Leben. Schaffe dir positive und realistische Zukunftsperspektiven.
  • Gehe regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Auch wenn du jedes Mal mit einem mulmigen Gefühl zum Arzt gehst. Diese Termine geben dir Sicherheit. Bekommst du Entwarnung, ist das sehr befreiend. Von Mal zu Mal wirst du weniger nervös, dein Selbstbild von dir als chronisch kranker Mensch verblasst Stück für Stück.
  • Ein gewisses Maß an Angst hat auch seine positiven Seiten. Sie gehört zum Leben dazu und hat eine wichtige Bedeutung. Sie rüttelt dich wach, auf dich und deinen Körper zu achten. Ohne Angst würde sich wohl niemand im Auto anschnallen oder bei rot an der Ampel anhalten. Du beobachtest deinen Körper besser und erkennst (vermutliche) Anzeichen eines Rückfalls zeitnah. Vielleicht legst du auch Gewohnheiten ab, die zuvor dein Leben bestimmt haben. Deine Familie, deine Kinder oder deine Arbeit kamen immer an erster Stelle, dann erst du selbst. Vielleicht sieht du es als Chance, dir und deinem Körper einen höheren Stellenwert in deinem Leben einzuräumen.

 

Abschließend möchte ich sagen, dass Prognosen schlussendlich „nur“ Prognosen sind. Du kannst nicht wissen, zu welchen 50% du nun gehörst. Aber deine Chancen von nun an ein gesundes Leben zu führen sind immerhin sieben Millionen Mal höher als ein Sechser im Lotto.

 

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